Oder: Liebe zur Katholischen Kirche und Schmerz über die Zerrissenheit des Leibes Christi
Im April hat Gott – für mich überraschend – begonnen, mich strak in die katholische Kirche zu ziehen. Ich bin katholisch und liebe meine Kirche auf eine Art schon immer sehr. Trotzdem habe ich Vieles auch als trocken empfunden und konnte mit manchen Formen zu beten und den Glauben zu leben nicht besonders viel anfangen.
Umso mehr hat es mich schon zu Beginn der Flame verwundert, dass die Laudes, das Morgengebet aus dem katholischen Stundengebet, so eine Faszination auf mich ausgeübt hat. Die Laudes ist ein Gebet, bei dem biblische und andere vorgegebene Gebete zu nicht immer ganz intuitiven Melodien gesungen werden. (Mehr dazu kann man auf katholisch.de nachlesen.) Ich habe die meiste Zeit meines Lebens frei gebetet und vorgegebene Gebete waren eher nicht das, was ich als beflügelnd empfunden habe. Bei der Laudes war ich häufig sehr damit beschäftigt, richtig zu singen und in meinem Kopf blieb daher kaum etwas hängen. Trotzdem hatte ich von Anfang an eine große Liebe zur Laudes und spürte, dass sie etwas in meiner Seele und meinem Geist bewegt. In letzter Zeit ist das noch stärker geworden. Mittlerweile singe ich die Laudes sogar manchmal zuhause und genieße es, mich in den Gebeten, die andere schon Jahrhunderte vor mir gebetet haben, fallen zu lassen. Wenn ich in meinem Tempo (mit krummen und schiefen Melodien) singe, kommt der Inhalt auch besser bei mir an.
Viel stärker noch als in die Laudes zieht Gott mich momentan in die Heilige Messe. Sonntags fliege / renne ich schon lange regelrecht in die Kirche und ich freue mich die ganze Woche lang auf den Sonntagmorgen. In der Zeit vor Ostern habe ich zusätzlich begonnen, unter der Woche häufiger in die Messe zu gehen. Sowohl die Kar- und Osterliturgie als auch die normalen Alltagsmessen haben mein Herz tief berührt und ich erlebe, dass es einen Hunger in mir gibt, der durch die Lehre in der Flame und durch die Gebetszeiten im Gebetsraum angefacht wird, der aber nur in der Eucharistie gestillt wird. Das ist eine neue Erfahrung für mich, aber eine wunderschöne. Es ist, als sagte etwas in mir: „Ich will Jesus ganz.“ und als würde dieser Wunsch in der Eucharistie Erfüllung finden. Letztlich ist es ja genau das, was wir als Katholiken glauben, dass wir Jesus auch in der Ewigkeit nicht vollständiger begegnen können als in der Eucharistie.
Im April hatten wir Intensiv-Tage über das Katholische mit Pater Kilian, der Mönch und Priester im Zisterzienserorden ist. Er hat uns in den zwei Tagen einen Einblick in seinen Weg ins Kloster und seinen Alltag dort sowie einen Überblick über die Sakramente, die Marien-Dogmen und das Amtsverständnis der katholischen Kirche gegeben. Die tiefere Beschäftigung mit dem, was wir als katholische Kirche glauben, hat in mir ein noch tieferes und liebenderes JA zu meiner Kirche hervorgebracht. Gleichzeitig wurde der Schmerz darüber, dass wir als Leib Christi nicht eins sind, umso größer und ich hoffe und bete, dass wir uns als christliche Kirche auf den Weg machen, gemeinsam und mit dem Heiligen Geist nach der Wahrheit zu suchen, um wieder mehr und mehr zusammenzuwachsen.
